Der Tod als Form der Kultur? - Limitierte Auflage vom "Jungen, der Gedichte schreibt" - Novelle von Yukio Mishima mit autobiographischen Zügen zum gewählten Freitod Seppuku

Kirschblüte

Als ich das erste Mal die Geschichte von Yukio Mishima hörte, lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Für mich schier unvorstellbar grausam, inszenierte einer der berühmtesten Dichter Japans seinen eigenen Freitod. Er schnitt sich selbst den Bauch auf und ließ sich danach enthaupten.



Was veranlasste ihn zu diesem Handeln? Waren es Depressionen oder anderweitige Probleme? Nein! Yukio Mishima hat sich bewusst für den Seppuku entschieden und wollte damit ein Zeichen setzen.


Seppuku wurde in Japan bis zum 19. Jahrhundert bei den Samurai als Ritual zur Wiederherstellung der Ehre begangen oder als Demonstration der höchsten Form der Loyalität z.B. seinem Herrn in den Tod zu folgen.

Der Bauch symbolisiert bei diesem Ritual dabei den Sitz der Seele, die durch den Stich freigelegt wird. Der Assistent bzw. Sekundant, ebenfalls ein Samurai, schlug dem Ausführenden sodann vor dessen Ablage der Klinge den Kopf ab. Dieser durfte jedoch nicht gänzlich abgeschlagen werden, um das Seppuku-Ritual von der Enthauptung Krimineller abzugrenzen.

Yukio Mishima wählte diese Form des Todes jedoch nicht in einer Epoche, in welcher dieses Ritual noch erlaubt war, sondern in den 1970er Jahren. Er wollte, trotz seiner Anerkennung als Dichter und Poet, nicht als solcher sterben, sondern als Soldat.



Am 25. November 1970 beging er, nach einem gescheiterten Putschversuch im Hauptquartier der japanischen Streitkräfte, dem heutigen Sitz des japanischen Verteidigungsministeriums, mit einigen Vertrauten den Seppuku. Damit unterstrich er seine Treue zum Kaiserhaus, erklärte jedoch gleichsam seine Ablehnung des modernen Japans.

Seine Witwe übergab, nach seinem Tod, meiner Familie eine, bis dahin unveröffentlichte Novelle einschließlich Bildern und Illustrationsmaterial für eine Vorzugsausgabe, zur Publikation in Europa. Der Junge, der Gedichte schreibt hieß das, autobiographische Züge enthaltende, Manuskript.



Gemeinsam mit Beate von Kessel, welche die Übersetzung der Novelle vom Japanischen ins Deutsche übernommen hatte, ist das Buch Yukio Mishima - Der Junge, der Gedichte schreibt im Jahre 2010, aus Anlass des eigentlichen 85. Geburtstages des Dichters, auf dem deutschen Buchmarkt erschienen.

Die limierte Edition umfasst 300, vom Herausgeber Marco J. Bodenstein, signierte Exemplare und ist über info@schloss-noervenich.de zum Preis von 30,00 Euro zzgl. 1,45 Euro Porto zu erwerben.

Beate von Kessel ist Sinologin und Dolmetscherin mit den Fachgebieten China, Japan und Russland. Sie betreut internationale Konferenzen in der Privatwirtschaft sowie auf Regierungsebene. Darüberhinaus befasst sich Frau von Kessel mit der Übersetzung literarischer Texte. Für weitere Informationen, siehe auch: www.beatevonkessel.de.




Kirschblüte
Die Kirschblüte gilt in Japan noch heute als Symbol der Vergänglichkeit.

Die populäre Phrase "Was die Kirschblüte unter den Blumen, das ist der Samurai unter den Menschen" wurde zum Sinnbild der Todesbereitschaft der Samurai, denn die Blüte und der Krieger stellen das Schönste und Prächtigste in der Kürze des Lebens dar. So sei das Sterben für die eigene Ehre nicht nur aufrichtig und anerkennenswert, sondern es lässt das eigene Leben überdies zum tragischen Kunstwerk werden." (vgl. Bender, David: Sport, Kunst oder Spiritualität? Eine ethnografische Fallstudie zur Rezeption japanischer budō-Disziplinen in Deutschland. Münster/New York, S. 60 f.)

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